Schadet Weinen meinem Kind? - Oder: Klare Eltern, starke Kinder.

Aktualisiert: 18. Okt.



Was ist, wenn mein Kind weint? Schadet ihm das? Muss ich dafür sorgen, dass es so schnell wie möglich damit aufhört? Wie reagiere ich am Besten? Und deshalb hier mal ein bisschen Klartext zum Thema Kinder und Weinen.


  1. Was deinem Kind definitiv nicht schadet.

  2. Was deinem Kind definitv schadet.

  3. Und was kannst du tun?


Was deinem Kind definitiv nicht schadet


... ist Weinen. Ja aber - höre ich dann, was ist mit bedürfnisorientierter Erziehung? Wenn mein Kind weint, dann ist doch offenbar ein Bedürfnis nicht befriedigt. Sollte ich nicht versuchen alle Bedürfnisse meines Kindes zu befriedigen?


Zunächst eine kleine Zwischenbemerkung: bloß weil Weinen nicht schadet, heißt es nicht, dass dein Kind unbedingt weinen sollte. Natürlich ist Weinen ein Zeichen von Trauer, von Wut, von Ärger, von Schmerz, von Einsamkeit, .... Und da musst du schon genau hinsehen. Aber egal was es ist: Das Weinen an sich ist ein Ausdruck - und wenn man ein Gefühl ausdrücken kann, dann tut das gut. Das soll heißen: es ist besser traurig zu sein und zu weinen, als traurig zu sein und nicht zu weinen, sondern still zu leiden. Gefühle wollen raus.


Und nicht immer, wenn ein Kind weint ist es ein Bedürfnis, das nicht befriedigt wird. Ein Kind hat ein Bedürfnis nach Sicherheit, nach Essen und Trinken, nach Sauberkeit, nach Geborgenheit, nach Liebe, danach gesehen und wahrgenommen zu werden, danach nicht ausgegrenzt zu werden, und vielleicht fallen dir ja noch mehr Bedürfnisse ein.


Aber es gibt kein Bedürfnis nach richtig durchgeschnittenen Broten, kein Bedürfnis nach einer bestimmten Wurstsorte, kein Bedürfnis für Süßigkeiten. Das ist Lust und Liebe. Und ich finde das ist ganz und gar nicht unwichtig. - Ich schreibe das hier nur um mit dem Mythos aufzuräumen, dass wenn ein Kind weint, ein Bedürfnis nicht befriedigt ist. Das kann sein, muss aber nicht. Kinder weinen, weil der Kindergarten am Sonntag zu ist, weil es regnet, weil die rosa Jacke in der Wäsche ist, weil ein Strumpf ein Loch hat, weil ein schöner Stein nicht zu finden ist, weil der Apfelsaft falsch ins Glas gegossen wurde, weil Mama keine Lust hat am Samstag Abend noch mal einkaufen zu gehen .... und und und. Und da ist es dein gutes Recht, diese Lust nicht zu befriedigen, sondern stattdessen das Kind in seinem Weinen zu begleiten, zu sehen und zu unterstützen, die Trauer oder Wut rauszulassen.


Was deinem Kind nicht gut tut


ist, wenn du als Mama oder Papa, ein Problem mit diesem Weinen hast. Wenn das Weinen deines Kindes dir Stress macht. Und das haben viele von uns, denn

  • oft macht das Weinen deines Kindes dir ein schlechtes Gewissen. Wollen wir doch glückliche Kinder mit einer glücklichen Kindheit. Und das scheint ja gerade nicht so zu gelingen. Bin ich schuld? Muss ich jetzt alles tun um diesen Wunsch zu befriedigen?

  • Weinen ist laut, es zieht die Aufmerksamkeit an. Was könnten andere denken? Vielleicht, dass ich eine schlechte Mutter, ein schlechter Vater bin? Muss ich mich rechtfertigen? Kann ich überzeugen, dass ich wirklich nichts dagegen tun konnte oder warum ich es gar einfach nicht wollte?

  • die meisten von uns durften als Kinder ihren Zorn, ihre Wut, ihre Trauer nicht in die Welt hinaus weinen, weil es unseren Eltern Stress gemacht hätte. Und weil unsere Eltern vielleicht heftig auf unsere laut herausgebrüllte Rebellion gegen die Ungerechtigkeit des Lebens sehr streng und ärgerlich reagiert haben.

Und das tut deinem Kind nicht gut, weil eine Sache, die wirklich schadet Stress ist.


Hier kommen wir zu einem weit verbreiteten Irrtum: Weinen, zeugt nicht von Stress bei deinem Kind, sondern im Gegenteil: Weinen reduziert Stress, Weinen ist eine gute Art damit umzugehen, dass die Welt nicht so ist, wie ich mir sie grade im Moment idealerweise wünschen würde. Wenn du aber Stress hast, dann spürt dein Kind das und fühlt ihn auch. Dieser Stress ist für ein Kind deshalb schwierig zu verarbeiten, weil es ihm das Gefühl gibt, dass diese natürliche Reaktion, die ihm hilft sich zu regulieren, für die Eltern ein Problem ist. Weil es ihm das Gefühl gibt, mit dieser natürlichen Reaktion nicht in Ordnung zu sein.


Und weil dieser Stress sich auf das Kind überträgt, ist es tatsächlich in einem Bedürfnis eingeschränkt: dem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit. Das Bedürfnis so angenommen zu sein, wie es gerade is