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Nein Sagen Lernen ist der erste Schritt zur Freiheit!

Aktualisiert: vor 2 Tagen


Titelbild des Buchs von Dana Buchzik, The Power of No, auf einer gelben Decke liegend, mit einem Teil eine goldenen Lami-Füllers und einem angeschnittenen Stück der Rücseite eines Buches mit Lesemarkiereungen in Rot.



Warum ein gutes Nein manchmal der mutigste Akt von Liebe ist


Meine Gedanken zu Dana Buchziks „The Power of No. Warum wir endlich unbequem werden müssen“



Es gibt ein Wort, das Vielen regelrecht im Hals stecken bleibt: Nein. 

Für sie heißt Nein zu sagen:

  • jemanden enttäuschen

  • einen Konflikt riskieren

  • als egoistisch gelten

  • die Harmonie gefährden

  • nicht mehr „lieb“ zu sein


Und wer das nicht möchte, sagt Ja: und zahlt einen hohen Preis: Erschöpfung, innere Unruhe, Groll, das Gefühl, sich selbst immer mehr zu verlieren.


Als ich Dana Buchziks Buch „The Power of No“ gelesen habe, hatte ich oft das Gefühl: Endlich spricht jemand klar und ungeschönt aus, was viele alle spüren – aber selten deutlich hörbar aussprechen. Dieses Buch ist kein sanfter Wellness-Ratgeber. Es ist eine Einladung, unbequem zu werden. Und damit endlich Farbe zu bekennen. Endlich unser eigenes Leben zu leben. Wirklich und Wirksam zu werden. Und genau darin liegt seine Kraft.


Nein sagen heißt nicht hart werden – sondern wahrhaftig


Was mir besonders gefallen hat: Buchzik versteht das Nein nicht als Abwehr oder Kampfansage. Sondern als Akt von Selbstachtung und Klarheit. Wer Nein sagt, übernimmt Verantwortung für die eigene innere Wahrheit.

Ich musste dabei an viele Gespräche mit Frauen denken, die etwa sagen:

„Ich helfe meiner Kollegin ständig aus, obwohl ich selbst völlig überlastet bin.“„Ich fahre jedes Wochenende zu meiner Mutter, obwohl ich eigentlich Ruhe bräuchte.“„Ich sage meinem Partner nicht, was mich wirklich stört, weil ich Angst habe, Streit auszulösen.“ Und schließlich: "Es fällt mir schwer, meiner Tochter einen Wunsch abzuschlagen, weil sie dann so sehr weint."

Das sind keine großen Dramen – aber genau darin liegt das Problem. Es sind die kleinen täglichen Selbstverleugnungen, die sich summieren. Buchzik zeigt sehr klar: Wer das eigene Nein dauerhaft unterdrückt, verliert langfristig die Verbindung zu sich selbst. Und ohne diese Verbindung wird auch Beziehung schwierig – zu anderen und zu sich.

Das deckt sich zutiefst mit dem, was ich in meiner Arbeit immer wieder sehe:

Abgrenzung ist nicht Trennung, sondern eine Voraussetzung für echte Nähe.


Das Nein als Schutzraum für Beziehung


Besonders spannend finde ich die Perspektive, dass ein klares Nein Beziehungen nicht zerstört – sondern im Gegenteil stabilisieren kann.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Frau sagt immer Ja zu zusätzlichen Aufgaben im Job. Sie wirkt engagiert, zuverlässig – und wird innerlich immer frustrierter. Irgendwann kippt die Stimmung: kleine Spitzen, innere Distanz, Rückzug. Das eigentliche Problem war nie die Arbeit – sondern das fehlende rechtzeitige Nein.

Ein ehrliches Nein hätte hier vielleicht kurzfristig Unbehagen ausgelöst, langfristig aber Klarheit, Respekt und Selbstwirksamkeit ermöglicht.

Praxistipp: Buchzik schlägt in als diplomatische Antwort (eine von dreien für dieses Problem) vor: "Ich stehe gerade ziemich unter Zeitduck. Die letzen Wochen habe ich dir gern geholfen, aber dieses Mal müsste ich ert mit meiner Führungskraft klären, ob ich noch zusätzliche Aufgaben übernehmen kann" (S. 176)

Oder in Partnerschaften: Wenn Bedürfnisse aus Angst vor Konflikten verschwiegen werden, entsteht keine echte Begegnung – sondern Anpassung. Das Nein schafft den Raum, in dem zwei Menschen sich wirklich sehen können.




Hier schließt das Buch wunderbar an meine Beziehungsmatrix an: Selbstliebe, Gelassenheit, Liebe und Abgrenzung gehören untrennbar zusammen. Ohne Abgrenzung wird Liebe schnell zur Selbstaufgabe. Hör mal rein: Zum Podcast


Kein bequemes Buch – aber ein ehrliches

The Power of No ist kein Buch zum schnellen Durchblättern mit hübschen Wohlfühlsätzen. Es fordert heraus. Es lädt dazu ein, die eigene Konfliktvermeidung, Harmoniesucht und Angst vor Unbequemlichkeit ehrlich zu betrachten – individuell und gesellschaftlich.

Manchmal ist der Blick weit, fast politisch. Nicht jede Leserin wird jeden Exkurs gleichermaßen spannend finden. Doch gerade diese Weite macht deutlich: Unsere persönlichen Ja-und-Nein-Entscheidungen sind nie nur privat – sie prägen auch unsere Kultur des Miteinanders.



Für wen ich dieses Buch besonders empfehle

Ich empfehle dieses Buch vor allem Frauen, die spüren:

  • Ich funktioniere gut – aber fühle mich dabei oft leer oder fremd in meinem eigenen Leben.

  • Ich sage zu oft Ja und zu selten Ja zu mir selbst.

  • Ich wünsche mir klarere Grenzen, ohne hart oder kalt zu werden.

  • Ich möchte lernen, meine Wahrheit respektvoll auszusprechen.

Dieses Buch schenkt keine fertigen Rezepte – aber es stärkt die innere Haltung, aus der ein echtes Nein wachsen kann.

Und vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke: Ein Nein ist kein Angriff. Es ist ein Schritt zurück zu dir.


Warum ist denn Nein-Sagen so schwer?


Nein-Sagen ist nicht für alle Menschen schwer. Kindern zum Beispiel fällt es ja bekanntermaßen eher leicht. Und es ist kein Zufall, dass es ihnen besonders in der Autonomiephase sehr leicht fällt. Fast möchte man meinen zu leicht, oder? Aber wir sind genau hier schon beim Kern des Problems angekommen: Nein-Sagen bedeutet: ich gehe meinen eigenen Weg. Ich mache nicht das, was du, Mama oder Papa, mir sagst. Ich bin ich. Ich mache was ich will. Nein-Sagen hat etwas mit Individuation zu tun.


Und ja, die Kinder schießen manchmal etwas über das Ziel hinaus. - So ist das eben, wenn man eine Sache noch übt. Da sagen sie dann praktisch aus Versehen auch mal Nein zu etwas, das sie eigentlich mögen. Vielleicht sogar unbedingt haben wollten. Nur um zu sehen, was passiert.

Ist das schwer auszuhalten? Klar. Auch für die Kinder ist es nicht immer leicht. Es ist sogar richtig anstrengend: Immer eine Extrawurst. Immer einen anderen Weg gehen.


Aber, wenn du als Mama oder Papa das hier nun liest und nickst, dann kann ich dir eins sagen: Du machst einen verdammt guten Job. Dein Kind sagt nein und hat keine Angst verlassen zu werden. Keine Angst nicht geliebt zu werden. Keine Angst ausgestoßen oder ausgesetzt zu werden, gehasst zu werden, deine Fürsorge zu verlieren, alle diese Dinge, die für Kinder überlebensnotwendig sind und um die sie sich noch nicht selbständig kümmern können.


Und: Achtung: Bei dir war das vermutlich anders. Jedenfalls ist es das, was ich tagtäglich in meiner Praxis erlebe. Menschen mit tief eingeprägten Glaubenssätzen wie: Ich bin zu viel. Ich bin zu laut. Ich störe. Ich bin unerwünscht. Ich bin nicht gut.


Und diese Glaubenssätze sind schmerzhaft. Sie besagen im Grunde alle das gleiche: du, so wie du wirklich bist, bist irgendwie falsch. Es muss an dir etwas verändert werden. Du musst besser werden. Du musst dich anpassen. Weniger stören, besser funktionieren, ... sonst ... Ja, das wird selten ausgesprochen und droht dafür umso stärker im Hintergrund. Sonst passiert jedenfalls irgendwas Schlimmes.


Und mit solchen Glaubenssätzen im Hinterkopf, sagt man besser nicht auch noch ständig Nein. Passt man sich lieber an. Macht man keine Probleme. Ist lieber nicht unbequem. Hinter einem Nein - lauert dann nämlich eine unbestimmte aber lebensbedrohliche Angst.



Warum ist Nein-Sagen notwendig?


Wenn du du selbst bleiben - oder werden möchtest, dann kommst du um Nein-Sagen nicht drumrum. Und weil viele von uns das überhaupt nicht gelernt haben, wissen sie gar nicht so ganz genau, wer sie eigentlich sind, oder was sie wirklich mögen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Meist fällt es aber gar nicht auf. Und man kann im Prinzip auch ein Leben lang gut durchkommen, ohne Nein-Sagen mit seinen Tiefen und seinem Reichtum je zu erfahren. Hat man keine Kinder, dann kann man den meisten unangenehmen Situationen oder Menschen aus dem Weg gehen. Du kündigst den Job, du kündigst Freundschaften. Du suchst dir Menschen, die ähnliche Vorlieben haben wie du. Und die auch keine Konflikte mögen. "Ich mag es harmonisch", heißt es dann. Oder auch "Wir lieben die Harmonie". Jo. Und ganz erhrlich, das geht den meisten so.


Hast du aber nun Kinder, ändert sich das drastisch. Denn dein Kind fängt mit dem Nein Sagen meist an, sobald es sprechen kann. Spätestens aber mit 2. Und du musst zu deinem geliebten Kind Nein sagen, es enttäuschen, es zum Weinen bringen. Denn es soll ja nicht mit Essen rumwerfen, es soll ja nicht soviel Zucker essen, es soll ja nicht auf die Straße laufen, .... und und und. Das ist nicht leicht. Und manchmal werden wir ärgerlich mit den geliebten kleinen Wesen, die uns täglich so herausfordern.


Aber sie bieten eine Chance: nämlich endlich diese Sache mit dem Nein-Sagen anzugehen. Es zu lernen. Zu umarmen. Daran zu wachsen. Zu lernen zu sich selbst zu stehen.


Und damit die großartige Wahrheit zu lernen, dass du in Ordnung bist so wie du bist. Auch mit deiner Unlust auf Geburtstagsparties, oder ins Kino zu gehen. An Ausflügen teilzunehmen oder ein gemeinsames Wellness-Wochenende zu verbringen. All das sind schöne Dinge. Aber manchmal hast du vielleicht keine Lust dazu. Oder nie. Und dann solltest du Nein sagen!

Du bist nämlich in Ordnung mit alle deinen eigenen, ganz eigenen Vorlieben, Launen und Stimmungen. Mit deinen Ängsten, Schwächen, Stärken, deiner Unordnung, deiner Vergesslichkeit, deiner Prokrastination, deiner Unfertigkeit. Alles Dinge, die du besser machen könntest. Aber nicht musst. Jedenfalls nicht um geliebt zu werden. Jedenfalls nicht um liebens-wert zu sein.


Und mit dem Nein-Sagen, und dem Abschied von der überflüssigen Glaubenssatz-Angst lernst du, dich zu unterscheiden. Um du zu sein. Zu fühlen und zu leben. Dein Leben. Wirklich. Wirksam. Echt zu sein. (Und damit bekommt dein Nein auch deinem Kind gegenüber eine ganz andere Autorität. Du wirst nicht mehr tausendmal dasselbe sagen müssen. Sondern dein Nein bekommt Gewicht) (Aber das ist ein anderes Thema, das nicht hierher gehört.



Wie Nein-Sagen gelingt ohne zu verletzen


Und nun eine Wahrheit für alle, denen Nein-Sagen unglaublich schwer fällt: Nein-Sagen verletzt eigentlich sehr selten. Es ist die Angst zu verletzen, es ist die Angst zurückzuweisen, die es so schwer macht. Weil du selbst vermutlich so große Angst davor hast, zurückgewiesen zu werden. Aber diese Angst ist in dir! Meist freut sich dein Gegenüber eher über ein klares Nein als über ein unehrliches Ja. Denn jeder spürt eigentlich, wenn ein Ja nicht ehrlich ist. Und damit das nicht passiert, gehen die, die Angst haben Nein zu sagen, oft über das Ziel hinaus und sagen zum Beispiel so Dinge wie: "Oh, wie toll, dass du fragst. Ich freue mich total darüber", während sie sich gleichzeitig innerlich schämen, weil sie so unehrlich sind.

Aber die Entscheidung tatsächlich Nein zu sagen - fühlt sich eben noch schlimmer an.


Ja, oft wäre es einfacher, du würdest ja sagen und es auch meinen. Wie wenn du deinem Kind vorschlägst jetzt die Schuhe anzuziehen um zur Kita zu gehen. Und stell dir mal vor es sagt einfach "Ja". Wie schön wäre das? Aber würdest du dir ein Ja wünschen, weil dein Kind Angst vor deiner Reaktion auf ein Nein hat? Ich hoffe nicht.


Trotzdem: Nein sagen, will geübt werden. Und am Besten gelingt es, wenn man genau sagt, was man nicht möchte und warum - oder was stattdessen. Und auch das fällt leichter zu sagen, wenn du vorher wiederholst, was du verstanden hast. Etwa wenn ein Freund dich bittet, ihm beim Umzug zu helfen: Ich verstehe, dass du Unterstützung brauchst bei ..., ich schlage vor du fragst mal einen deiner alten Schulfreunde. Ich kann dich geistig moralisch unterstützen. - Voila. Sollte dein Gegenüber noch mal nachfragen, kannst du auch noch klarer werden und etwa sagen: Ich bin dafür nicht die Richtige. Ich kann das gerade nicht leisten. Ich brauche an dem Wochenende eine Pause. Und könnte sowieso nicht viel beitragen.


Aber auch wenn eine Freundin dir immer wieder von intimen Konfliktthemen mit ihrem Freund erzählt, die du nicht hören möchtest:

Buchzik schlägt hier etwa vor zu sagen: "Mir ist es wichtig, dass ich auch an den guten Zeiten teilhaben darf. Wie können wir das ab jetzt umsetzen, was schlägst du vor?" (S. 93 Abgrenzen für Eilige: raus aus platonischen Einbahnstraßen)

Und das ist nur ein Beispiel von vielen vielen anderen für alle möglichen Situationen, in denen du vielleicht sagen möchtest: Nein, nein, nein, nicht schon wieder, aber seit Jahr und Tag brav zuhörst. Die meisten dieser Beispiele folgen demselben Muster und zeigen: Nein sagen, wird viel zu verkürzt gedacht, wenn man nur im Blick hat, dass es eine Art Tür-Zuschlagen ist. Ich habe in diesem Buch erstmals verstanden, dass Nein auch der Hinweis auf andere Türen und Möglichkeiten enthalten kann. Und damit erstens wirksamer wird. Aber auch leichter auszusprechen.


Ein wirklich wirklich großer Fundus an originellen, schlagfertigen und funktionierenden Hinweisen auf ein Hier nicht - aber versuchs mal 👉 da! Das umfasst, Beziehungen, Freundschaften, Familie, Politische Diskussionen, Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten.


Wann Nein Sagen auch verletzen darf


Also mal kurz zur Klarstellung: Verletzen ist ja in diesem Zusammenhang eine Metapher. Niemand wird buchstäblich verletzt. Aber wenn jemand zum Beispiel denkt, er kann über dich bestimmen, dich durch psychischen Druck, durch Drohung oder Erpressung zu etwas bewegen, was du nicht möchtest, und du grenzt dich ab. Sagst nein, oder brichst sogar die Beziehung ab, dann kann es sein, dass dein Gegenüber ganz schön wütend wird. Dass er/sie sich "verletzt" fühlt.


Aber das ist dann ok. Dein Gegenüber kann das als Anlass nehmen darüber nachzudenken, warum das so ist. Kann dich fragen, wie es dazu kommen konnte. Kann fragen, was er/sie hätte anders machen können,... und daraus lernen. Tun solche Menschen aber meist nicht. Und deine Aufgabe ist in erster Linie dich zu schützen. Umso mehr, wenn der andere gar nichts lernen möchte. Sich nicht weiter entwickeln möchte.


Dann ist das nämlich einfach nicht dein Problem. Und du hilfst ihm mehr, indem du klar bist. Indem du nicht suggerierst, sein/ihr Verhalten wäre doch auch irgendwie "ganz ok". Wenn es das nicht ist, dann ist es das nicht. Druck, Zwang, Drohung, das sind die eigentlichen Beziehungsabbrüche. Das ist das Ende von "auf Augenhöhe", das ist das Ende eines Gesprächs. Eines Austauschs unter Gleichberechtigten. Und wenn dein Gegenüber das tut, dann darfst du das ernst nehmen und musst deinerseits nicht weiter das Gespräch suchen.


Punkt. Du wirst für Wichtigeres gebraucht.


FAQ - Häufig gestellte Fragen

Lohnt es sich das Buch "The Power of No", von Dana Buchzik zu kaufen?

Also ich würde sagen, es lohnt sich definitiv es zu lesen - oder auch als Hörbuch zu hören. Der Inhalt des Buches geht weit über das Hinaus, was ich hier dargestellt habe.





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