Was tun, wenn dein Baby ständig weint?


schlafendes Baby

So ein herrlich entspannt schlafendes Baby, belohnt für viel Anstrengung. Egal, auch wenn man alle zwei Stunden raus muss in der Nacht, oder auch im eigenen Bett stillen oder füttern muss. Wenn es dann wieder einschläft und so zufrieden atmet, dann liegt da auch eine tiefe Befriedigung drin.

"Ein Schreibaby ist die Hölle"

*Carolin aber kommen schon die Tränen, wenn sie solche Bilder nur sieht. Ihr Töchterchen Noelle schläft praktisch nicht. Und wenn, dann nur auf ihr. Tagsüber ist an Schlaf kaum zu denken. Und was noch schlimmer ist, wenn sie wach ist, dann schreit sie nur. Sie schreit ohne Ende. Und wenn sie nicht schreit, dann ist sie unzufrieden und unruhig. Scheint immer auf der Suche nach etwas zu sein. "Es ist die Hölle", sagt Carolin. "Ich habe das Gefühl total zu versagen als Mutter." Warum kann ich ihr nicht helfen, warum verstehe ich nicht, was ihr fehlt? Warum genügt es ihr nicht, dass ich da bin und sie über alles liebe?" Carolin will das Haus nicht mehr verlassen. Sie geht nicht mehr zu Eltern-Kind-Gruppen. Sie erträgt den Anblick der zufriedenen Babys nicht mehr. Der Mütter, die zwar müde aber auch glücklich sind. So glücklich, dass man es ihnen ansieht. "Dann kommen Ratschläge von allen Seiten: probier doch mal, mach doch mal, hast du schon?" Sie kommt sich so blöd vor dabei. Als hätten sie und ihr Mann nicht schon sämtliche Foren im Internet durchforstet. Alles ausprobiert. - "Es war ein Fehler ein Kind zu bekommen, sagte sie zuletzt. Wir sind nicht gut darin. Wir hatten es immer befürchtet und es ist so. Wir sind zu hölzern. Zu ernst. Wir können das eben nicht. Noelle tut mir leid, weil sie so inkompetente Eltern hat." - Ja, so weit kommt es und nicht selten. Die meisten sprechen nicht darüber. Vor andern geben sie es nicht zu. Sie ziehen sich zurück.

Babytränen sind Hölle. Wenn sie nicht mehr aufhören wollen, sind sie so ziemlich das Schlimmste, was Eltern und vor allem Müttern heutzutage passieren kann. Zeugen sie doch ganz offensichtlich davon, dass das Baby unzufrieden und unglücklich ist. Und davon, dass die Mama kein Gefühl dafür hat, was ihrem Kind fehlt. (Das gilt natürlich auch für den Vater – aber sie fühlen sich häufig nicht so verantwortlich dafür. Sie erwarten von sich selbst nicht so unbedingt, dass sie ihr Kind mit ihrer purer Gegenwart glücklich machen.) Mütter aber haben (meist) sofort das Gefühl – eine schlechte Mutter zu sein. Und das Schlimmste daran: Mit einem weinenden Baby unterwegs zu sein ist wie Spießruten laufen. Jeder sieht einen. Und jeder sieht, dass diese Mutter versagt hat. So jedenfalls fühlt es sich an. Den Blicken schutzlos ausgesetzt, outet sich dann praktisch jeder Zweite als Mutter oder Vater oder Oma oder Tante mit Erfahrung und alle wissen, was dem Kind fehlt und was es braucht. Dass die betreffende Mutter schon alles ausprobiert hat, darauf kommen anscheinend die wenigsten.

Deshalb vermeiden es Mütter von Babys, die schnell anfangen zu Weinen und nur schwer wieder damit aufhören können, meist überhaupt das Haus zu verlassen oder meiden so gut es geht Plätze, Orte, Geräusche, Gerüche oder einfach Situationen, in denen ihr Kind anfangen könnte zu weinen. Glückliche zufriedene Mamas, die mit ihrem Säugling im Café sitzen, die mit einem zufrieden brabbelnden Baby Einkaufen oder sich auf ein Schwätzchen verabreden können, beneiden sie zutiefst.

Buchtitel: Keine Angst vor Babytränen

Keine Angst vor Babytränen

Thomas Harms ist Kinderpsychologe und Autor und wendet sich in seinem ersten Buch, das nicht für ein Fachpublikum bestimmt ist, sondern für ratsuchende Eltern selbst, an genau jene Eltern, deren Babys weinen. Viel weinen. "Keine Angst vo Babytränen" heißt es. Und im Untertitel "Wie Sie durch Achtsamkeit das Weinen Ihres Babys sicher begleiten." Ich findes es einfach genial.

Zudem ist es ein echter Rettungsanker! Und er verspricht wirklich nicht zu viel: Das beängstigende an den Babytränen ist ja zunächst mal, dass man sie nicht versteht. Und man kann nicht einfach nachfragen, was los ist. Als Mama oder Papa ist man ihnen erst mal hilflos ausgeliefert. Und dann beginnt man auszuprobieren. Das scheint einem wie ein Fragen: brauchst du Abwechslung?: (mit dem Spielzeug vor der Nase wackelnd), „Brauchst du Ruhe?“ (Baby ins Bettchen legend), „Brauchst du frische Luft?“ (Baby ins Tragetuch verfrachtend und spazieren gehend), „Hast du Hunger?“ (Brust in den Mund schiebend), „Bist du nass?“ (Windel wechselnd) ... damit ist man schon bald mit seinem Latein am Ende. Was sonst könnte es noch sein, was so ein Winzling brauchen könnte?

Drei Formen des Babyweinens