Abenteuer Kreativität: Wie du die Welt neu sehen lernst.

June 14, 2019

 

Deine Tage sehen immer gleich aus?  Durchgetaktet? Mit vorprogrammierten Sollbruchstellen? Kaum Zeit mal Pause zu machen geschweige denn auch noch was Neues? Gar nichts tun, gar nichts denken, danach steht dir viel eher der Sinn? Leben mit Kindern fühlt sich manchmal an, als hätten sie alle Freiheit der Welt und du rückst immer weiter ans gegenüberliegende Ende: Gefangenschaft klingt da manchmal noch harmlos. 

 

Ich kenne das nur zu gut. Und doch sehe ich jetzt, dass die Tür in die Freiheit - in die "Freu"-heit - eigentlich immer direkt vor meiner Nase war. Ich habe sie nur nicht gesehen, weil ich eben auch immer an die Stellen geguckt habe, an die ich auch sonst immer geguckt habe. Und schon vorher wusste, dass es da nichts Neues zu sehen geben würde. Ich will dich hier mitnehmen in meinen Perspektivwechsel.

 

Lass dich auf einen Perspektivwechsel ein!

 

Aber mal langsam: ein Hauptproblem für die meisten Menschen ist, dass sie eine genau Vorstellung davon haben, wie etwas sein soll und wenn es dann nicht so ist, dann sind sie unzufrieden. "Ist ja auch ganz logisch und muss ja auch so sein", wirst du nun sagen. "Wie sonst soll man auch erreichen, was man erreichen will." Und Recht hast du. Nur so geht das.

 

Allerdings - schüchterner Einwand meinerseits: vielleicht ist ja das, was zu zu erreichen suchst, gar nicht das, was dich wirklich glücklich macht. Warum versuchst du denn genau das zu erreichen?

 

Und hier ist der Zeitpunkt für eine kleine Exkursion gekommen: Was haben dein Kind und dein Unterbewusstsein gemeinsam? - Sie wollen beide das Beste für dich - und zwar das Beste auf so einer Ebene, das vielleicht nicht genau das ist, was du mit deinem bewussten Willen und deiner bewussten Vorstellungskraft gerade anstrebst. Zu abstrakt? Ok. Also konkret: du bräuchtest mal wieder ein bisschen Spaß - ein bisschen Freude am Dasein, Entspannung, und Nichtstun - aber die gönnst du dir nicht, denn vorher muss noch einiges erledigt sein - denkst du: also das Kind braucht Sommerkleidung und du auch. Der Monatsabschluss steht bevor - und die Präsentation. Und das Gespräch mit der Geschäftsleitung. Und der 70te von deinem Vater. Ach ja und der Urlaub. Bis dahin muss noch rangeklotzt werden - denkst du - und dann kommt die ersehnte Entspannung. Hoffst du. - Obwohl du auch weißt, selbst wenn der Urlaub super wird. Was mit Kind/ern ja immer so eine Sache ist - es wird danach weiter gehen wie zuvor. Hamsterrad. Mühle. Zwickmühle. 

 

Sehnsucht nach Ausbruch aus dem Hamsterrad?

 

Die Sehnsucht nach echtem Lockerlassen nach einem richtig entspannten und fröhlichen Alltagsleben - die bleibt. Und hier kommt dein Unterbewusstsein ins Spiel. Es versucht dir genau das zu verschaffen, was du wirklich brauchst: weniger Termine zum Beispiel und deshalb verschafft es sie dir - indem es dir einige verschweigt - sprich: sie vergessen lässt - oder dich den Autoschlüssel verschusseln lässt oder oder. Und obendrein macht es da gemeinsame Sache mit deinem Kind: das hat nämlich auch den Eindruck, dass es Mama tausend mal besser geht, wenn sie leider leider einen Termin vergessen hat - dann ist sie zwar ne Weile ärgerlich aber am Ende haben sie dann Spaß. Lass uns doch zusammen den Tag genießen, will es dir sagen, anstatt irgend etwas nachzuhetzen, was ich nicht verstehe. Könnte ein Satz aus deinem Unterbewusstsein sein. -

 

Aber - wirst du einwenden: das bringt mir doch alles nichts. Wenn ich den Termin heute vergesse, habe ich morgen doppelt so viele. Wenn ich meine Termine nicht einhalte verliere ich den Job, und so weiter. Diese Gedanken bewegen sich in Straßen, die eng und gut beschildert sind. Immer wieder dasselbe. Es gibt keinen Ausweg und alles wäre einfach nur leichter, wenn mein Kind mich nicht auch noch boykottieren würde.

 

Ich will ja auch gar nicht sagen, dass du deine Arbeit nicht, oder schlecht machen sollst. Aber es bleibt ja Zeit übrig - und die könntest du in einem ersten Schritt mal anders zu sehen versuchen. Meist haben gerade die Eltern, die beide arbeiten, das Gefühl am Wochenende oder am Abend wartet nur noch mehr Arbeit: Einkaufen, kochen, putzen, aufräumen, etwas unternehmen.... Oma besuchen ...

 

1. Schritt - Lass mal fünfe grade sein!

 

Und hier sehe ich den Spalt, der sich öffnet. Den Spalt, durch den das Licht eindringen kann. Lasst mal fünfe grade sein. Tiefkühlkost, Pizza Essen gehen. Nur das aller-allernotwendigste im Haushalt machen. Ein bisschen Lotterleben einführen lassen. Zusammen DVD gucken ... Lego spielen ohne gleich wieder alles aufzuräumen. Die Kuscheltiere in ihren Bedürfnissen ernst nehmen. Ein bisschen Pippi Langstrumpf einziehen lassen. Die Perspektive wechseln. (Wie sieht eigentlich das Sofa von unten aus?) - Ach es gibt viele Dinge, die man einfach mal woanders machen kann. - Du brauchst keine Angst zu haben, dass es von nun an immer so sein muss. Kinder experimentieren gerne aber an sich lieben die meisten auch Ordnung und Vorhersagbarkeit. Vieles von dem, was du denkst es muss so sein, ist nicht in Stein sondern höchstens in Knete gemeißelt. Wer sagt, dass der 7- Tage Rhythmus der für alle Menschen Richtige ist - so dass man alle sieben Tage putzen muss. Warum nicht alle neun? Oder mal sieben mal vier?

"Kreativität brauch Mut"

 

Aber "Kreativität braucht Mut", soll Henry Matisse gesagt haben. Etwas anders zu machen als die meisten, ist nicht immer einfach. Du stichst auf einmal heraus. Du wirst angesehen und man fragt vielleicht nach. Du musst Farbe bekennen. - Du musst zuallererst mal zu dir selbst stehen - "ich will das nicht" - "ich will das so machen". Und dann kannst du auch zu deinem Kind ganz anders stehen: "er (oder sie) muss seine Tante nicht küssen, wenn sie (oder er) nicht will." Bamm. "Bitte fassen Sie mein Kind nicht an. - Ich fasse ihnen ja auch nicht ins Gesicht." Tschakka. Das sitzt. Mein Kind darf im Winter barfuß laufen. Ja, sie hat an einem Montag ein schickes Kleid an. Nein er friert nicht, wenn er sagt, dass er nich friert. ... Und nein, ich zwinge mein Kind nicht zu solchen Dingen. Ich bin überzeugt er oder sie lernt früh genug - bzw. genau dann wenn er oder sie es brauchen wird, dass man Dinge tun muss, zu denen man keine Lust hat .... und so weiter und so weiter. Endlos die Liste. Groß der Mut, den du brauchst. Größer noch dein Gewinn daraus.

 

 

 

Für mich ist es Philippa Stanton, die in ihrem wunderbaren Buch Conscious Creativity die Sache auf den Punkt bringt. Sie schreibt von ihrer Lehrerin im Kunststudium

"Sie brachte mich dazu, Dinge zu sehen, die ich niemals zuvor gesehen hatte, Farben zu sehen, die ich niemals bemerkt hatte und sie eröffnete mir eine Fähigkeit zur Wahrnehmung, die ich bis heute nutze. Und wenig später: "Wirklich aufmerksam zu sein auf alles, was dich umgibt, klingt einfach, aber es verlangt einen Level von Neugier und Beobachtung, den die meisten Menschen nicht gewohnt sind. Und es braucht Zeit. Aber wenn du deine Wahrnehmung der Welt änderst ist das unglaublich aufregend und voller neuer Einsichten. Es ermächtigt dich Wahrheit zu sehen anstelle von angenommenem Wissen.

 

Wer ist der beste Kunstlehrer?

Tja - und nun meine Frage: wer könnte ein besserer Lehrer sein für Neugier und Beobachtung von kleinsten Details als dein Kind? Niemand sonst!! Wenn du bereit bist, diese Gabe deiner Kinder Ernst zu nehmen und sie anzunehmen so schwer es auch am Anfang fallen mag, dann enthält sie ein Geschenk - das Geschenk die Wahrheit zu sehen. Wahre Zusammenhänge. Wahre Verwandtschaft zwischen den Dingen und die Erde wird wahrlich neu. Bunter, aufregender spannender.

Nun, wirst du sagen - aber ich muss doch funktionieren! Ich muss pünktlich aus dem Haus ... und das Kind muss dies lernen (vermutlich auch pünktlich zu sein) und das auch (vermutlich auch die eigenen Interessen hinten an zu stellen) und so weiter. Und ich frage mal ganz frech: Muss es das? Musst du das? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Hast du es je in Frage gestellt? Hast du schon mal ausprobiert, wohin dich die Hingabe an die Wunder, die dein Kind dir zeigen kann, führt? Leute bezahlen viel Geld für Kreativitätskurse, für Coachings. Da sammeln sie Ideen. Da wird gebrainstormt. Da wird versucht, auch absurde Ideen zu formulieren, nur um das Gehirn dazu zu bringen einmal neue Dinge zu denken. - All dies tut dein Kind kostenlos für dich. - Und du musst keine Angst haben - es bleibt nicht ewig so. Kinder wachsen schnell. Kinder werden auch schnell vernünftig und dann finden sie Käfer genauso uninteressant wie du früher. Aber du hast dich auf dem Weg vielleicht erinnert, dass du früher eigentlich ganz anders leben wolltest als du es jetzt tust. Und wenn du nach einem Tor zu dem für dich "richtigen" Leben suchst, dann findest du es bestimmt. Du brauchst nur Geduld. Und auch die kannst du von deinem Kind oft lernen. Denn es ist nicht dickköpfig und stur sondern hartnäckig und ausdauernd. Und damit kann man schon viel erreichen.

 

Unordnung ist die neue Ordnung: Über Reframing

 

Und dann passiert es: du kannst die neue Ordnung in der Unordnung sehen. Wenn Philippa Stanton ihre Gewürze nach Farben sortiert. Und dazwischen Gläser mit getrockenten Blütenblättern stellt, dann ist das Ordnung. Eine Ordnung der Farben. Ist sie weniger wichtig als die des Geschmacks? Auf keinen Fall. Sie ist anders. Reframing nennt man das in der systemischen Psychologie. Wir haben das eben schon mal gemacht: wenn ich Trotz als Mut interpretiere zu der eigenen Entscheidung zu stehen. Kreativität fängt im Kopf an: mit dem Mut Dinge anders zu sortieren. Anstatt nach Funktionalität - nach Farbe. Anstatt nach Material vielleicht nach der Reihenfolge, in der mir etwas begegnet ist. - Es erfordert anfangs etwas Überwindung, aber dann fängt es an Spaß zu machen und öffnet die Türen zu völlig neuen Zusammenhängen und Sichtweisen. - So fängt Veränderung an.

 

 

 

 

 

 

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