Abenteuer Kreativität: Wie Sie die Welt neu sehen lernen.


Ihre Tage sehen immer gleich aus? Durchgetaktet? Mit vorprogrammierten Sollbruchstellen? Kaum Zeit mal Pause zu machen geschweige denn auch noch was Neues? Gar nichts tun, gar nichts denken, danach steht Ihnen viel eher der Sinn? Leben mit Kindern fühlt sich manchmal an, als hätten sie alle Freiheit der Welt und Sie rücken immer weiter ans gegenüberliegende Ende: Gefangenschaft klingt da manchmal noch harmlos.

Ich kenne das nur zu gut. Und doch sehe ich jetzt, dass die Tür in die Freiheit - in die "Freu"-heit - eigentlich immer direkt vor meiner Nase war. Ich habe sie nur nicht gesehen, weil ich eben auch immer an die Stellen geguckt habe, an die ich auch sonst immer geguckt habe. Und schon vorher wusste, dass es da nichts Neues zu sehen geben würde. Ich will Sie hier mitnehmen in meinen Perspektivwechsel.

Lassen Sie sich auf einen Perspektivwechsel ein!

Aber mal langsam: ein Hauptproblem für die meisten Menschen ist, dass sie eine genau Vorstellung davon haben, wie etwas sein soll und wenn es dann nicht so ist, dann sind sie unzufrieden. "Ist ja auch ganz logisch und muss ja auch so sein", werden Sie nun sagen. "Wie sonst soll man auch erreichen, was man erreichen will." Und Recht haben Sie. Nur so geht das.

Allerdings: vielleicht ist ja das, was Sie zu erreichen suchen, gar nicht das, was Sie wirklich glücklich macht. Und viel schlimmer noch: Sie können nur das zu erreichen versuchen, was Sie kennen. Von Eltern, Freunden, aus Büchern ... Was aber, wenn es noch etwas anderes gibt, etwas ganz eigenes, ganz ungewöhnliches, das nur Sie überhaupt erreichen können - und das Sie ganz ungewöhnlich glücklich und zufrieden machen würde. Wie sucht man etwas, von dem man nicht weiß, was und wie es ist?

Und hier ist der Zeitpunkt für eine kleine Exkursion gekommen: Was haben Ihr Kind und Ihr Unterbewusstsein gemeinsam? - Sie wollen beide das Beste für Sie - und zwar das Beste auf so einer Ebene, das vielleicht nicht genau das ist, was mit Ihrem bewussten Willen und Ihrer bewussten Vorstellungskraft gerade anstreben. Zu abstrakt? Ok. Also konkret: Sie bräuchten mal wieder ein bisschen Spaß - ein bisschen Freude am Dasein, Entspannung, und Nichtstun - aber die gönnen Sie sich nicht, denn vorher muss noch einiges erledigt sein - denken Sie: also das Kind braucht Sommerkleidung und Sie auch. Der Monatsabschluss steht bevor - und die Präsentation. Und das Gespräch mit der Geschäftsleitung. Und der 70te von Ihrem Vater. Ach ja und der Urlaub. Bis dahin muss noch rangeklotzt werden - denken Sie - und dann kommt die ersehnte Entspannung. Hoffen Sie. - Obwohl Sie auch wissen, selbst wenn der Urlaub super wird. Was mit Kind/ern ja immer so eine Sache ist - es wird danach weiter gehen wie zuvor. Hamsterrad. Mühle. Zwickmühle.

Sehnsucht nach Ausbruch aus dem Hamsterrad?

Die Sehnsucht nach echtem Lockerlassen nach einem richtig entspannten und fröhlichen Leben auch außerhalb vom Urlaub - die bleibt. Und hier kommt Ihr Unterbewusstsein ins Spiel. Es versucht Ihnen genau das zu verschaffen, was Sie wirklich brauchen: weniger Termine zum Beispiel und deshalb verschafft es sie Ihnen - indem es Ihnen einiges verschweigt - sprich: sie vergessen lässt - oder Sie den Autoschlüssel verschusseln lässt oder, oder. Und obendrein macht es da gemeinsame Sache mit Ihrem Kind: das hat nämlich auch den Eindruck, dass es Mama oder Papa tausend mal besser geht, wenn sie "leider" leider einen Termin vergessen - dann ist sie oder er zwar ne Weile ärgerlich aber am Ende haben Sie dann Spaß. Lass uns doch zusammen den Tag genießen, will es Ihnen sagen, anstatt irgend etwas nachzuhetzen, was ich nicht verstehe. Könnte ein Satz aus Ihrem Unterbewusstsein sein.

Aber - werden Sie einwenden: das bringt mir doch alles nichts. Wenn ich den Termin heute vergesse, habe ich morgen doppelt so viele. Wenn ich meine Termine nicht einhalte, verliere ich den Job, und so weiter. Diese Gedanken bewegen sich in Straßen, die eng und gut beschildert sind. Immer wieder dasselbe. Es gibt keinen Ausweg und alles wäre einfach nur leichter, wenn mein Kind mich nicht auch noch boykottieren würde.

Ich will ja auch gar nicht sagen, dass Sie Ihre Arbeit nicht, oder schlecht machen sollen. Aber es bleibt ja Zeit übrig - und die könnten Sie in einem ersten Schritt mal anders zu sehen versuchen. Meist haben gerade die Eltern, die beide arbeiten, das Gefühl am Wochenende oder am Abend wartet nur noch mehr Arbeit: Einkaufen, kochen, putzen, aufräumen, etwas unternehmen.... Oma besuchen ...

1. Schritt - Lass mal fünfe grade sein!

Und hier sehe ich den Spalt, der sich öffnet. Den Spalt, durch den das Licht eindringen kann. Lassen Sie mal Fünfe grade sein. Tiefkühlkost, Pizza Essen gehen. Nur das aller-allernotwendigste im Haushalt machen. Ein bisschen Lotterleben einziehen lassen. Zusammen Film gucken ... Lego spielen, ohne gleich wieder alles aufzuräumen. Die Kuscheltiere in ihren Bedürfnissen ernst nehmen. Ein bisschen Pippi Langstrumpf einziehen lassen. Die Perspektive wechseln. (Wie sieht eigentlich das Sofa von unten aus?) - Ach es gibt viele Dinge, die man einfach mal woanders machen kann. - Sie brauchen keine Angst zu haben, dass es von nun an immer so sein muss. Kinder experimentieren gerne, aber an sich lieben die meisten Ordnung und Vorhersagbarkeit. Vieles von dem, was Sie denken muss so sein, ist nicht in Stein sondern höchstens in Knete gemeißelt. Wer sagt denn, dass der 7- Tage Rhythmus der für alle Menschen Richtige ist - so dass man alle sieben Tage putzen muss? Warum nicht alle neun? Oder mal sieben mal vier?

"Kreativität braucht Mut"

Aber "Kreativität braucht Mut", soll Henry Matisse gesagt haben. Etwas anders zu machen als die meisten, ist nicht immer einfach. Sie stechen auf einmal heraus. Sie werden angesehen und man fragt vielleicht nach. Sie müssen Farbe bekennen. - Sie müssen zuallererst mal zu sich selbst stehen - "ich will das nicht" - "ich will das so machen". Und dann können Sie auch zu Ihrem Kind ganz anders stehen: "er (oder sie) muss seine Tante nicht küssen, wenn sie (oder er) nicht will." Bamm. "Bitte fassen Sie mein Kind nicht an. - Ich fasse ihnen ja auch nicht ins Gesicht." Tschakka. Das sitzt. Mein Kind darf im Winter barfuß laufen. Ja, sie hat an einem Montag ein schickes Kleid an. Nein, er friert nicht, wenn er sagt, dass er nicht friert. ... Und nein, ich zwinge mein Kind nicht zu solchen Dingen. Ich bin überzeugt er oder sie lernt früh genug - bzw. genau dann, wenn er oder sie es brauchen wird, dass man Dinge tun muss, zu denen man keine Lust hat .... und so weiter und so weiter. Endlos die Liste. Groß der Mut, den Sie brauchen. Größer noch Ihr Gewinn daraus.

Für mich ist es Philippa Stanton, die in ihrem wunderbaren Buch Conscious Creativity die Sache auf den Punkt bringt. Sie schreibt von ihrer Lehrerin im Kunststudium "Sie brachte mich dazu, Dinge zu sehen, die ich niemals zuvor gesehen hatte, Farben zu sehen, die ich niemals bemerkt hatte und sie eröffnete mir eine Fähigkeit zur Wahrnehmung, die ich bis heute nutze. Und wenig später: "Wirklich aufmerksam zu sein auf alles, was dich umgibt, klingt einfach, aber es verlangt einen Level von Neugier und Beobachtung, den die meisten Menschen nicht gewohnt sind. Und es braucht Zeit. Aber wenn du deine Wahrnehmung der Welt änderst, ist das unglaublich aufregend und voller neuer Einsichten. Es ermächtigt dich Wahrheit zu sehen anstelle von angenommenem Wissen."

Wer ist der beste Kunstlehrer?

Tja - und nun meine Frage: wer könnte ein besserer Lehrer sein für Neugier und Beobachtung von kleinsten Details als Ihr Kind? Niemand sonst!! Wenn Sie bereit sind, diese Gabe Ihrer Kinder Ernst zu nehmen und sie anzunehmen, so schwer es auch am Anfang fallen mag, dann enthält sie ein Geschenk - das Geschenk die Wahrheit zu sehen. Wahre Zusammenhänge. Wahre Verwandtschaft zwischen den Dingen und die Erde wird wahrlich neu. Bunter, aufregender, spannender.

Nun, werden Sie sagen: "Aber ich muss doch funktionieren! Ich muss pünktlich aus dem Haus ... und das Kind muss dies lernen (vermutlich auch pünktlich zu sein) und das auch (vermutlich auch die eigenen Interessen hinten an zu stellen) und so weiter. Und ich frage mal ganz frech: Muss es das? Müssen Sie das? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Haben Sie es je in Frage gestellt? Haben Sie schon mal ausprobiert, wohin Sie die Hingabe an die Wunder, die Ihr Kind Ihnen zeigen kann, führt? Leute bezahlen viel Geld für Kreativitätskurse, für Coachings. Da sammeln sie Ideen. Da wird gebrainstormt. Da wird versucht, auch absurde Ideen zu formulieren, nur um das Gehirn dazu zu bringen einmal neue Dinge zu denken. - All dies tut Ihr Kind kostenlos für Sie. - Und Sie müssen keine Angst haben - es bleibt nicht ewig so. Kinder wachsen schnell. Kinder werden auch schnell vernünftig und dann finden sie Käfer genauso uninteressant wie Sie früher. Aber Sie haben sich auf dem Weg vielleicht erinnert, dass Sie eigentlich ganz anders leben wollten als Sie es jetzt tun. Und wenn Sie nach einem Tor zu dem für Sie "richtigen" Leben suchen, dann finden Sie es bestimmt. Sie brauchen nur Geduld. Und auch die können Sie von Ihrem Kind oft lernen. Denn es ist nicht dickköpfig und stur sondern hartnäckig und ausdauernd. Und damit kann man viel erreichen.

Unordnung ist die neue Ordnung: Über Reframing

Und dann passiert es: Sie können die neue Ordnung in der Unordnung sehen. Wenn Philippa Stanton ihre Gewürze nach Farben sortiert. Und dazwischen Gläser mit getrockneten Blütenblättern stellt, dann ist das Ordnung. Eine Ordnung der Farben. Ist sie weniger wichtig als die des Geschmacks? Auf keinen Fall. Sie ist anders. Reframing nennt man das. Wir haben das eben schon mal gemacht: wenn ich Trotz als Mut interpretiere zu der eigenen Entscheidung zu stehen. Kreativität fängt im Kopf an: mit dem Mut Dinge anders zu sortieren. Anstatt nach Funktionalität - nach Farbe. Anstatt nach Material vielleicht nach der Reihenfolge, in der mir etwas begegnet ist, zum Beispiel - Es erfordert anfangs etwas Überwindung, aber dann fängt es an Spaß zu machen und öffnet die Türen zu völlig neuen Zusammenhängen und Sichtweisen. - So fängt Veränderung an.

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