Von weißen Mäusen und bedingungsloser Liebe.


Weiße Maus auf Abwegen

Was ist überhaupt Erziehung und wie funktioniert sie?

Schon länger sitze ich an einer Buchvorstellung - die einfach nicht fertig werden will, weil ich immer wieder von vorne anfange zu lesen, immer wieder neue Aspekte entdecke - und alles auf einmal schreiben will. - Ich spreche von dem wunderbaren Buch "Liebe und Eigenständigkeit. Die Kunst bedingungsloser Elternschaft jenseits von Belohnung und Bestrafung" von Alfie Kohn

Das Thema ist einfach so allgegenwärtig und gleichzeitig unglaublich wichtig. Es geht um bedingungslose Liebe. - Und ob die genügt. - Kohn sagt "nein", sie genügt auf gar keinen Fall. Denn das Kind spürt sie nicht. Jedenfalls nicht einfach so. Aber erst mal langsam: Schritt für Schritt:

Alfie Kohn, Eltern, Belohnung, Bestrafung, Liebe

Also, was wünscht ihr euch für euer Kind? Wie soll es einmal werden? Die meisten, die ich das frage sagen: glücklich, selbstbewusst, empathisch, respektvoll. Nur die Reihenfolge variiert. Und wie weit seid ihr gekommen auf dem Weg zu glücklichen, selbstbewussten, empathischen und respektvollen Kindern? Die meisten sind da eigentlich ganz zufrieden. Kritisch ist nur die Sache mit dem Respekt. Was verstehen wir denn unter Respekt? Heißt ein respektvoller Umgang nicht, die Wünsche des anderen als genauso wichtig und ernstzunehmend anzusehen, wie die eigenen - auch oder gerade dann, wenn es eben nicht die eigenen sind?

Wie lernt ein Kind Respekt?

Genau: Und Kinder lernen durch das Beispiel der Eltern. Wer respektvolle Kinder möchte, muss seinen Kindern Respekt vorleben. Zugegeben: eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Soll ich also respektieren, wenn mein Kind kein Brot isst, das falsch herum durchgeschnitten ist? Soll ich respektieren, wenn mein Kind ewig braucht um sich die Schuhe anzuziehen und dann, wenn es endlich fertig ist, ich schon auf heißen Kohle sitze - bzw. nervös auf und ab laufe - beschließt, doch andere Schuhe anzuziehen? Auch wenn mein Anliegen (wenigstens zu einer noch halbwegs akzeptablen Zeit im Büro aufzuschlagen) dabei überhaupt keine Berücksichtigung findet, obwohl es doch auch irgendwie wichtig ist?

Und ich muss leider sagen: ja, selbstverständlich. (Aber die Wünsche zu respektieren, heißt nicht automatisch, dass sie auch berücksichtigt werden können).

Also ich habe hier auch keine einfache Lösung dafür, wie genau man selbst so eine innere Ruhe bekommt, dass man das schafft. Aber klar ist, dass es gut wäre. Und für mich ist auch klar, dass eine nicht unerhebliche Schwierigkeit dabei, dieses Ziel zu erreichen auch diese öffentliche Stimme ist, die immer sagt: "Lass dir nicht auf der Nase herum tanzen.", "Er oder sie lernt das so nie.", "Der wird nie lernen, sich anzupassen.", "Du musst doch ... In ihrem eigenen Interesse solltest du..."

Die Sache mit der bedingungslosen Liebe

Also warum sollten wir? Und vor allem: wie sollten wir das bewerkstelligen? Wie sollen wir unser Kind also dazu bringen, schnell zu sein, wenn es uns wichtig ist, zu essen, was wir liebevoll zubereitet haben. Und vor allem Tischmanieren. Das ist die Frage, die sich viele nun stellen. Etwas überspitzt gesagt beginnt die Suche nach Mitteln und Wegen, unser Kind so zu manipulieren, dass es das tut, was ich möchte, ohne dass ich laut werden muss.

Sehen wir mal von Strafen ab, dann bietet sich belohnen an, am besten durch Lob, wenn das Kind etwas richtig macht. Verstärken des erwünschten Verhaltens eben.